Poetry Slam von Felix Römer beim Kulturagenten-Fest, Mai 2019 in Berlin


Ich reime hier nicht immer ganz rein und
das Versmaß ist auch nicht immer ganz richtig. Man möge das verzeihen. Auf eine Stelle möchte ich aber hinweisen: Ich reime einmal “schaffen” auf “machen”. Und das Versmaß ist katastrophal an der Stelle. Das ist aber stilistisch Absicht, um meine
Unzulänglichkeit, die im Text beschrieben wird, stilistisch zu verdeutlichen. So. Cool. Also: Die Senatorin saß auf Leder /
die Zigarre in der Hand / Ihr war klar, was das Problem war / für
fast alles hier im Land / Die PISA-Studie auf dem Schreibtisch zeigt, was
offensichtlich war / Dass man mit der Bildungsweitsicht weit unterhalb des
Durchschnitts lag / Und sie hieß den Sekretär ein Schreiben aufzugeben mit
allem, was zu tun wär / “Die Schüler sollen was erleben!” / Frau
Schuldirektorin Tischenreuther saß beim Frühstück wie der Morgen / leicht bedeckt,
überwiegend heiter und Vorbote von Sorgen /
Sie wollte heute das Kollegium fordern / sich etwas mehr ins Zeug zu legen und es
erging von ihr die Order / “Die Schülerinnen können was erleben!” /
Herr Mommsen saß beim Korrigieren / Er wollte mal gestalten, er wollte Schüler
inspirieren / Jetzt muss er sie verwalten, seine Zeit
ist viel zu rar, er kann halt nicht mehr geben /
Doch in den Klausuren, da wird klar / Die Schüler müssen was erleben / Über die
Zeitung fragt Frau Mohammed ihren jüngsten Sohn / was er so in der Schule
tät, na komm, erzähl es schon / Er sagt: “Was soll ich da schon machen? / Rechnen,
Schreiben, Basteln, Kleben, auswendig Lernen, solche Sachen / Ich würd so gern mal was erleben.” / Und so waren sich alle einig: / Es sollte was passieren / und es erschien
ihnen noch eilig / Man begann die Schläfen zu massieren / und zu überlegen,
wer dafür zuständig wär, dass die was erleben / Man überlegte hin und her / und kam doch
nicht weiter / weil alle schon am Limit ständen / Da sagte plötzlich einer heiter: “Ha! Wie wär’s denn mit Agenten?” / Da mussten erst mal alle lachen /
Jemand fragte nach Agentinnen / doch damals konnte man das wohl noch machen /
die waren halt mit drinnen /Als die Belustigung sich legte/ sahen alle – ist
dann klar / so sehr man auch überlegte / dass das die beste Lösung war / und man
besorgte Geld, gab grünes Licht / die Suche freizugeben nach jemand, der an sich
verspricht / dass Schülerinnen was erleben / Man fand einen schönen Haufen / Menschen, die das machen können / und man entschloss sich, sie zu kaufen / und Kulturagenten zu
nennen. Und diese begannen, Netze zu spinnen /und ihre Aufgaben zu interpretieren / Sie fanden den richtigen Ton und die Stimmen /
um alles mögliche auszuprobieren / Sie arbeiteten kreativ mit und gegen
Strukturen und Widerstände / so dass man nach der Probezeit rief: “Das hier ist
noch nicht zu Ende! / Wir halten so viel Rücken frei / und das
macht so viel Spaß und das Wichtigste, das ist dabei: / Die Schülerinnen erleben was.” /
Und so wurde transformiert / die Zeit wurde verlängert, und wieder ist so viel
passiert / von dem was so gedrängt hat. Schülerinnen malen, dichten, breaken, tanzen und kreieren / filmen und erfinden Geschichten, können sich neu ausprobieren /
mit Menschen aus dem echten Leben / Es wird Platz geschafft im Lehrplan / die
Kulturagenten beben, sie sind schaffend und Membran /
Sie bündeln und erweitern / sie nehmen und sie geben /
sie pöbeln und sie streiten /damit Schüler was erleben / Und jetzt ist fertig
transformiert /und alle können deutlich sehen, wie gut es ist, dass was passiert /
und das soll bitte weitergehen. / Und dafür gibt es gute Gründe / 50 habe
ich aufgeschrieben / Für die wär’s eine große Sünde / wenn die
Agentinnen nicht blieben / Also: Dani, Ahmed, Billy, Nina / Jenny, Anna, Layla, Gina / Risma,
Kevin, Tom und Peter / Max, Chantal, Ada und Greta / Lina, Leo, David, Sandy / (…), Theo, Tina
Mandy / (…), Jim und Ben / Erik John, Frida und Sven / Martha, Paula,
Paul und Björn / Benni, Marek, Mia, Jörn / Caspar, Milan, Jake und Manni / Mila, Tanner, Adam, Hanni /
Nummer 49, das seid ihr / zumindest jetzt für mich / und 50, man verzeihe mir / Grund 50, das bin ich / Ihr macht mich so viel leichter / Ich bin
eine Kommunikationsniete und ihr seid stets erreichbar /
Wann immer ich meine Künste anbiete, ist das mit Aufwand verbunden /
Finanzierung finden, Zeiträume schaffen und ich sage euch ganz unumwunden; / So wie ich kann man das nicht machen/ Ihr seid, was ich gebraucht hab / doch
formulieren konnte ich das kaum / Bis ihr dann da ward / Wirklich, ihr seid ein feuchter Künstlerinnen-Traum / So, ne jetzt ist wichtig / und ich lasse das Scherzen / ich sag euch ganz aufrichtig: / Vielen Dank von Herzen / Und sicher auch
von Direktorin Tischenreuther / von der Senatorin, von Herrn Mommsen und so weiter / von allen,
die von euch profitieren / und glücklich sind, euch nicht zu verlieren /
Und der schönste Grund zu feiern ist / wenn für jemand wichtig ist / Dankeschön.

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