Poetry Slammerin Fatima Moumouni über Europa


Hallo, meine Damen und Herren. Schön, dass Sie da sind.
Schön, dass ich da sein darf. Ich freue mich, dass ich
diese Veranstaltung eröffnen darf. Mein Name ist Fatima Moumouni ich bin Spoken-Art-Künstlerin. Das heißt eigentlich nur,
dass ich gerne schreibe und mit den Texten dann
auf Bühnen auftrete Aber eigentlich bin ich einfach nur eine der
vielen jungen Arbeitslosen der Europäischen Union. Ich weiß nicht,
ob Sie diese Studien kennen, die belegen,
dass Leute mit komischen Namen noch viel weniger wahrscheinlich
einen Job bekommen. Ich gehöre dazu,
Moumouni ist ein sehr, sehr komischer Name Und deswegen habe ich mich entschlossen,
dann mach ich einfach Kunst. Da musste ich mir natürlich
ein Geschäftsmodell ausdenken. Ich hab gemerkt,
das naheliegendste ist: Ich bin schwarz. Das hat sehr gut gezogen,
ich wurde seitdem zu sehr, sehr vielen
Veranstaltungen eingeladen mit dem Schwerpunkt Weltverbessern,
Multikulti. Das hat mich an sehr wunderbare
und komische Orte gebracht. Zum Beispiel
so Multikulti-Veranstaltungen, wo ich
die einzige Schwarze war. Ich habe, by the way,
auch noch ein zweites Standbein. Denn ich hab
Volkswirtschaft studiert, und da lernt man das,
das braucht man. Mein zweites Standbein
hab ich gefunden, ich bin eine Frau. So Gender-Veranstaltungen
sind zurzeit richtig im Trend
richtig gut. Und dann habe ich
noch ein drittes: Ich bin muslimisch. Irgendwie hat das
noch nicht so gezogen. Zugpferd ist immer noch
das Schwarz-sein. Und dann habe ich natürlich
Marktforschung betrieben, um herauszufinden:
Woran liegt’s? Und dann habe ich
herausgefunden, ok,
die eine Hälfte, die traut sich tatsächlich nicht,
mich einzuladen. Die denken sich:
oh, muslimisch, man hört so viel,
was laden wir uns da ein. Und die andere Hälfte, die weiß
gar nicht, dass muslimische Frauen überhaupt sprechen können. Also, das erwartet man ja auch nicht
von muslimischen Frauen. Von muslimischen Frauen
erwartet man ja eher so, dass sie durch den
Burka-Schlitz sagen: “Achmed, sag ihnen,
dass isch misch distanziere”. Das heißt,
jetzt wissen Sie das. Spread the Word. Es gibt Frauen,
die sprechen können. Ich gehöre dazu. Für die heutige Veranstaltung zeichnet mich noch
ein weiteres Feature aus: Ich habe Erfahrung damit,
in einem Land zu wohnen, das nicht zur EU gehört,
und darüber sehr, sehr froh ist. Ich wohne seit fünf Jahren
in der Schweiz. Und mit diesem Abstand
kann ich sagen: Europa,
da sehe ich ein bisschen schwarz. Ich meine keine Burkas. Was ich damit meine,
werde ich jetzt gleich in einem Text erklären. Er ist in Reimform geschrieben,
ein bisschen wie ein Gedicht. Und das war super-schwierig,
weil ich am Anfang dachte, also ich habe keinen anderen Reim
auf Europa gefunden als Toyota. Ich habe dann,
letztendlich doch ein paar gefunden. Es geht los. Ich lese ihn von einem Tablet ab. Weil er gesellschaftskritisch ist. Europa. Dieser Text ist eine Hymne an den Mut. Und ein Gedicht für Verstand. An den Himmel der Wut, das Gewitter und den Brand Es ist für dich und deine Hand,
die du zum Recken geballt Richtung voreilig entschiedene
Vollstreckungsgewalt. Es ist an deinen Glauben,
der wie eine Statue groß Und die Autorität,
des Status’ Quo. Europa- -pa -pa -pa -pa -pa -pas -pas -pas -pas -po -po -po -po -po -po -pu -pu Pu-Lismus Europas Populismus
macht mir Sorgen. In der Schule lernte ich,
er sei von gestern. Doch es gibt ihn auch morgen. Der liberale Westen,
wird zur liberalen Festung. Ich zitiere darauf Brecht,
und komme damit nicht weiter. Er sagt: “Erst kommt das Essen,
dann die Moral.” Aber wir haben doch Essen,
woran ist unsere Moral denn gescheitert? Der liberale Westen, unsere Vita prahlt mit Rechten
und mit Freiheit, doch hört ihr die Wahlversprechen,
und das Lechzen nach rassistischer Gleichheit? Die Türkei erpressen
ist auch mächtig gescheitert Minderheiten bezahlen die Rechnung,
wen interessiert dann noch der Beitritt, Europa. Schon immer wurde gefragt,
ob diese Bande echt ist. Wir zweifelten schon lang
und erst recht jetzt seit Brexit. Demokratie, verdammte,
kommst mit Rechten statt mit Rechten. Sie sagen: “Merkel? Der vertrau’ ich nicht,
die kann noch nicht mal lächeln.” Und
wir brauchen keine Flüchtlinge Guck wie unsere Rentner blechen Und
das kommt uns noch teuer zu stehen Flüchtlinge an Grenzen,
wie Eulen in Athen. Europa war für mich schon immer ein Märchen. Irgendwas mit einem Stier
Und irgendwas mit Werten. Irgendwas mit
Wir beweisen jetzt mal Stärke. Einst durch imposante Bauten,
wie die Akropolis Doch
seit einiger Zeit eher durch Populismus,
despotischem Rechtsruck. Europa, ich frag mich:
Was hält dich noch zusammen? Wovor hast du Angst,
und Europa, Quo Vadis, warum bist du nur so panisch? Europa,
du gerätst aus dem Ruder wie tausende von Flüchtlingen
auf dem Weg nach Lampedusa. Wovor ich Angst habe? Deutschland,
all die Fahnen und Parolen. ich habe Angst, wir wachen eines Tages auf
und du sagst: “Komm, wir holen uns Polen!” Du und ich wir sind Europa. Stehen mit unserm Gesicht
für so manch geschichtliches Fauxpas Wer nur an die großen Epochen denkt,
der frag mal seinen Opa. Die Zukunft
wird akrobatisch Spagat oder Handstand. Wie halten wir Trump stand,
wie bewahren wir Frieden und wie staatlichen Anstand
mit unseren Muslimen? Wie groß die Gefahr von ISIS?
Wie viel mehr Bootsfahrten ins Nirgends? Europa, bewahre dir dieses.
Ich kenne deine Zukunft nicht. Doch mir fehlt auf deiner Karte das Herz. Der Ort,
der immer gut durchblutet ist. Der weiß, was gut und Gutes ist,
wo Wut rechtens und gänzlich blutlos ist. Europa- -pa -pa -pa -pa -pa -pas -pas -pas -po -po -po -po -po -pu -pu Pu-Lismus Europas Populismus macht mir Sorgen Doch ich sag’s euch jetzt mit Merkel’schen Worten: Wir schaffen das. Inshallah.
Dankeschön.

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